Darf der das?

Er liegt im Eingangsbereich eines geschlossenen Geschäftes.
Es ist eine viel frequentierte Einkaufsstraße.

Die Menschen lassen den Blick beiläufig schweifen – sie stocken.
Schritte verlangsamen, Stirn runzeln, Kopf schütteln, weitergehen.

Er liegt auf einer Unterlage aus Karton, eine Wolldecke bedeckt ihn bis zum Bauch.

Die Menschen nähern sich schnellen Schrittes – sie stocken.
Irritiert, Stirn runzeln, Kopf schütteln, weitergehen.

Er liegt auf dem Rücken, der linke Arm ist zum Gehsteig hinaus ausgestreckt. Die Hand offen, die wortlose Bitte um eine Spende.

Die Menschen schlendern telefonierend heran – sie stocken.
Kurze Gesprächspause, Stirn runzeln, Kopf schütteln, weitergehen.

Er liegt völlig entspannt. Der, auf einem Bündel leicht aufgerichtete Oberkörper ist nur mit einem gerippten Unterhemd bekleidet.
Er wirkt, wie wenn er das Geschehen am Gehsteig als Film betrachtet. Mit der rechten Hand greift er regelmäßig in ein Chipssackerl, das auf seinem dicken Bauch liegt. Er schiebt sich Chip um Chip genüsslich in den Mund. Knirschendes Kauen.

Es braucht eine Weile bis sich die Szene für die Betrachtung zusammensetzt.

Darf jemand, der so zufrieden und gelassen daliegt, die Hand aufhalten und betteln? Es ist nämlich diese Geste, die irritiert, ja fast provoziert.

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