Für das Licht

GEGEN DAS VERGESSEN

Vor drei Wochen nahm ich mir Zeit.
Ich bin die Porträtreihe abgegangen, hab den Überlebenden in die Augen geschaut, hab die „Näh-Narben“ bewusst als heilend wahrgenommen, ebenso die, in Brandlöcher gesteckten Blümchen. Ich hab die Kerzen, die Blumen und die Herzen am Zaun betrachtet, hab den jungen Leuten in den Zelten gedankt für ihr DA sein. Dann hab ich mich zwischen Ernest Fruehauf und Wladislaw Shdan gestellt.

Die Gesichter und Namensschilder der Fotografierten wurden von Vielen eingehend betrachtet. Ich hab großen Bedarf an Austausch erfahren. Mir wurde gedankt, mir wurde zugelächelt, zugenickt. Ich wurde gefragt, ob ich eh auch abgelöst werde, mir wurde gesagt, wie schrecklich der Vandalismus ist, mir wurde gesagt, wie wunderbar die vielen Blumen sind, mir wurde gesagt, wie schön es ist, dass sich so viele engagieren. Ein Mann hat mir gesagt, er ist jetzt 80 Jahre und kann nicht verstehen, er kann nicht verstehen, er kann’s einfach nicht verstehen, dass sowas wieder passiert, müde seine Augen, eine Hand auf seinem Kopf, die Stimme brüchig. Er hat genickt, als ich meinte, wir müssen das Positive ins Licht stellen und uns miteinander freuen, dass es das Gute gibt. Wir hatten beide Tränen in den Augen.

Ich hab Vorbeigehende nach einem Feuerzeug gefragt, da ein paar Kerzen ausgegangen waren. Es wurde in Taschen gekramt, jeder wollte unbedingt etwas geben, was beisteuern zur Lösung. Ein Feuerzeug wurde gefunden, die Frau hat es mir geschenkt, feierlich, sie war erleichtert, auch einen Beitrag leisten zu können, für das Licht.

Ich stand eine Stunde zwischen Ernest und Wladislaw, danke meine Herren!

FÜR DIE HOFFNUNG

Projekt von Luigi Toscano
Hintergrundinformation zur Mahnwache

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