„LANG – FRIES – DICK, aber nix is für immer“

Ein Minidrama
Mitspielende: Frau LANG – Frau FRIES – Herr DICK
Ort: eine Hundewiese in Wien
Zeit: ein Freitag ungefähr 9.23 Uhr
Hinweis: Dialekte sind Sprachversionen ohne eigene Schriftsprache. Die Dialoge in diesem Text bitte phonetisch lesen.

Einleitende Worte:
Der Picknicktisch wackelt. Schon immer. Aber nach dem Regen besonders, da der unebene Boden noch mehr nachgibt. Der Picknicktisch ist eine Bank-Tisch-Kombination aus Holz, die die Stadt Wien manchmal auf Wiesen stellt. Zur freien Benutzung. Dieser Picknicktisch ist ein Stammtisch. Schon lange. Besonders an Tagen, an denen die Sonne scheint. Dieser Picknicktisch steht auf einer Hundewiese. Das scheint mir eine wichtige Information.

Gertrude LANG sitzt auf ihrem Stammplatz. Max der Pekinese auch, nämlich auf dem Tisch. Also der Hund. Der Hund sitzt auf dem Tisch. Frau LANG nicht. Sie sitzt mit Blick über die Wiese. Sie krault ihren Max und schiebt ihm Hundeleckerlis ins Maul. Sein Schwanz wischt über den Tisch. Aus seinem Kopf steigt Rauch auf. Das schaut nur so aus, denn Gertrude LANG raucht Kette direkt vor seiner Schnauze. Das ist irrelevant für die Geschichte, aber die Wahrheit. Auch ist noch nicht klar, was wirklich wichtig ist für die Geschichte. Da müssen Sie sich bitte ein wenig gedulden. Das wird sich zum Schluss herausgestellt haben. Das kann ich nicht schon alles zu Beginn wissen.

Fr. LANG: Heut kömma net long bleiben, heut gemma boid ham, da koch ma uns was guats, gö? Gö Maxi?

Fr. FRIES: Trixi, da kumm her! Trixi, bei Fuß! Trixi, da her, hob i gsagt! Trixi, TRIXI, TRIIIXII, hearst, hearst du net?

Beschreibende Worte:
Die Schnauzer-Hündin Trixi jagt über die Wiese. Elfriede FRIES keucht hinterher auch weil sie ihre Luft verbrüllt hat. Trixi hat es eilig. Sie will zu Max, eigentlich zu Frau LANG, na eigentlich zu den Leckerlis. Wie jeder Hund.

Fr. LANG: Jessas Trixi, wos hot di denn bissen? Narrische Henn. Ja grias di, ja, is ja guat. Ja was hob i denn da? Na was denn? Sitz Trixi, sitz. Brave Trixi, da, weilst so brav bist, do a Leckerli, jo brave Trixi, brav. Ja Maxi, ja du bist a a Braver. Do, jo brav.

Fr. FRIES: Wegen derer krieg i no amal a Schlagerl. Bledes Viech, bledes. Servas Trude. Du mir tuan so die Fiaß weh heut. Do kummt sicher a Wedder. Wos kochst denn heut? Ich hab scho kocht, a scho für murgn. Dabei is der Tiefkühla bumvoi. Zwetschkenkuchen muas i no mochen, i hab so vüle Zwetschken daham. Des wor a Zwetschkensommer heier.

Fr. LANG: I muas a boid geh, I muas ham kochen. Elfi, host du den Otto di Wochn scho gsehn? Kummt der nimma? Do hot’s do wos, oda?

Fr. FRIES: Wos wahs i … wos kochst‘n?

Fr. LANG: I hob a Fleisch kauft. Im Angebot beim penny. Da moch i Knedln dazua und für‘n Maxi an Reis, der hot’s mit‘n Mogn. Hearst Trixi, was bist denn allerweil so nervös hearst. Moch sitz, gib a Ruah. Ich glaub du muast mit derer zur Ärztin, die hat Wallungen oder so was.

Fr. FRIES: Jo do schau her, da kummt der Otto. Schlecht schaut a aus, is jo nur Haut und Bana. Glaubst is a kronk? Oder sauft er wieder? Schau wie langsam der geht? Glaubst hot a Krebs?
Servas Otto, guat schaust aus? Dass die a moi wieder blicken losst.

Beschreibende Worte:
Otto DICK lässt sich langsam auf die Bank nieder. Er sitzt neben Elfriede FRIESS. Da er seine langen dünnen Beine nicht unter den Tisch einfädeln will, bleibt er mit dem Rücken zum Tisch sitzen. Das macht er immer. Er wendet den Kopf den zwei Frauen zu. Heute etwas steifer als sonst. Ich glaub auch, da hat‘s was.

Hr. DICK: Grüß Gott die Damen. I bin spät heut, weil des Gfrast hot ma die Tia vur der Nosn zuagmacht. Grinst hot a ah no deppert und is gfohrn. Auf die nächste Bim hob i ewig gwart. Aber wos soi‘s, is sowieso olles Scheiße.

Fr. LANG: Wo is’n der Bello?

Hr. DICK: Okratzt is a mia. Am Dienstag! Afoch umgfallen und hinn war er. Jetz muas is nimmer auße bei jeden Wedder. Aber zhaus hoid i’s net aus. Die Mitzi tonzt ma die ganze Zeit vorm Gsicht umadum und red und red

Fr. FRIES: Nimmst da wieder an Hund? I tatat ma glei wieder an nemma.

Hr. DICK: Die Mitzi sogt na. Spor ma uns des Göd, sagt’s. I was ned. Liabs san scho aber se san ja scho ah anstrengend die Viecherln. Und wer was, wie long ma no so guat kennan wie jetza.

Beschreibende Worte:
Gertrude LANG krault Knoten in Max‘ Fell. Ihre Wangen sind tief eingefallen, vom intensiven Ziehen an der Zigarette.

Fr. LANG: Na bitte, i konn mia des net vorstellen ohne Maxi, na a Wahnsinn, na bitte Herrgott loss ma den Maxi. I tatat glei mitsterbn. Na, um Gott’s Wün.

Fr. FRIES: Jo, ohne mei Trixi will I ah net lebn. Gö Trixi Schatzi, gö? Mach Platz Trixi. Mach Platz. Sitz Trixi, sitz jetza, sitz, Platz, gib a Ruah.

Hr. DICK: Ja aber es Damen sat’s ja no Jungspatzn. Es kennt‘s no langfristig planen so in die Zukunft eine, aber bei mir, na I was net.

Fr. LANG: Ober geh Otto, für niemanden is nix für immer. Ober mia leb‘n nur amoi und zwar jetza.

Abschließende Worte:
Elfi FRIES und Otto DICK schauen Trude LANG mit großen Augen an. Auch Trude LANG macht große Augen. Sie ist selbst überrascht, was ihr da rausgrutscht is. Normalerweise liest sie so was Gscheites nur in der Zeitung. Ein Lächeln zieht über ihr Gesicht.

Das ist das Ende.

Finden Sie es nicht auch immer wieder interessant, wie manche Geschichten verlaufen, wenn man sie laufen lässt? Dem Schreiben die Freude lassen. Aufnehmen, was gerade kommt. Schönen Tag Ihnen!

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